Florence Clay hatte soeben eine einschläfernde
Schulstunde beendet, als Casper an ihre Seite kam und sie fragte, ob sie einen Augenblick Zeit für ihn hätte. Es sei wichtig. Misses Clay wollte wissen, worum es ging,
und rechnete mit einer Antwort, die irgendwo zwischen Versetzung und
Wiederholungstest lag. Aber Casper ließ sie warten, bis der letzte der anderen
Schüler das Klassenzimmer verlassen hatte. Dann zückte er sein Handy und zeigte
ihr ein Video, auf dem sie mit Ellen und Knien auf einer Matratze hockte, nackt,
und ein Panorama freigab, für das manch anderer 18-Jähriger noch heimlich
googlen musste. Misses Clay kannte das Video zwar nicht, wusste aber, worin
seine besondere Explosionskraft lag.
Caspers Forderungen waren klarer formuliert als seine
letzte Englischklausur: Zunächst einmal wollte er seine Noten in einer Weise
nach oben korrigiert haben, die die Sprache einer kleinen Serie von Nachhilfestunden
spricht. Das sei aber nur „Staffage“ (Casper!). Denn was er wirklich wollte,
war das, wozu Mister Clay nach 16 Ehejahren kaum noch einen hoch bekam. Oder treffender
ausgedrückt: weshalb Mister Clay sich auch noch zum langweiligsten Spätfilm ins
Wohnzimmer flüchtete.
Da war jetzt so viel, worüber Misses Clay in kürzester
Zeit nachzudenken hatte, während ihr dieser juristisch erwachsene Halb-Legastheniker,
zwei Jahre älter als ihre älteste Tochter, sich zum Beweis seiner neuen Macht anschickte,
mit beiden Händen ihren Hosenknopf durch das Loch zu drücken, um anschließend
mit den Fingerkuppen hinter die Spitze ihres schwarzen Höschens zu fahren.
Jetzt war da auf einmal so viel, was sie in alle erdenkbaren Richtungen zog.
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